PERRO DE PASTOR MALLORQUIN


Eine persönliche Rassebeschreibung nach jahrelanger Recherche und Zusammenlebens mit mehreren Cans de Bestiar

von Ana Isabel Bujan Fehland

 

Mallorquinischer Name:        Ca de Bestiar (Vieh-Hund)

Übersetzung:                       Mallorquinischer Schäferhund

 

 

Der Name „Perro de Pastor“ = „Schäferhund“ ist irrefuehrend, denn der Perro de Pastor Mallorquin ist kein reiner Schafs-Hüter. Er wurde ursprünglich auf Mallorca zum Bewachen, Treiben und Hüten von Nutztieren, aber auch zum Bewachen und Beschützen der Grundstücke gehalten.

Das Talent zum Schafe-Hüten ist demnach nicht jedem Ca de Bestiar in die Wiege gelegt, bei vielen überwiegt der Schutztrieb. Ein ausgesprochener Territorialtrieb ist beinahe allen eigen.

 

Mit dem Einzug des Tourismus und dem Beginn der kontrollierten Reinzucht auf Mallorca in den 1960er- und 1970er-Jahren, begann auch die Verwandlung des Ca de Bestiar. Die Zucht wurde selektierter. Einige begannen, den Hund etwas kleiner, agiler und führiger (zur Arbeit an den Schafen) zu züchten. Andere bevorzugten den großen, robusten und selbstständigen Wachhund.

Obwohl der offizielle Rassestandard seit 1980 existiert, ist die Rasse des Perro de Pastor Mallorquin außerhalb Mallorcas noch immer sehr unbekannt und die Zahl der reinrassigen Tiere sehr gering. Das führt dazu, dass eine ausschließlich selektive Zucht nicht möglich ist. Um die Blutlinien nicht zu eng werden zu lassen, müssen Hunde der verschiedenen Linien miteinander verpaart werden. Das wiederum führt dazu, dass die Hunde in Wesen und Optik bis heute sehr ursprünglich geblieben sind. Die einzelnen Exemplare dieser Rasse sind im Verhalten, genauso wie im äußeren Erscheinungsbild, recht unterschiedlich.

 

Äußeres Erscheinungsbild:


Der FCI-Rassestandard beschreibt den Prototypen. In der Realität gibt es jedoch unter den einzelnen Tieren starke Differenzen.

So kann beispielsweise eine sehr kleine Hündin 60 cm Widerristhöhe aufweisen, ein besonders großer Rüde 80 cm.

 

Es gibt jedoch einige unverwechselbare Kennzeichen, die einen Ca de Bestiar ausmachen:

Ein robustes und dennoch nicht schwerfällig wirkendes Äußeres.

Eine recht lange Rute, deren Ende sich zwischen Sprunggelenk und kurz über dem Boden befindet.

 

Die Pfoten sind etwas kürzer und breiter als Hasenpfoten (hat z.B. Doberman).

Im Verhältnis zum Körper relativ lange Beine, wenig betonte Sprunggelenke mit offenem Winkel und gerade Ellenbogen.

Der Rücken ist recht gerade, die Kruppe leicht gerundet.

Der Kopf ist groß und breit, ohne schwer zu wirken. Mit leicht ansteigendem Stop.

 

 

Wesen:

Obwohl es seine Größe und sein robustes Erscheinungsbild nicht sofort erwarten lassen, ist der Perro de Pastor Mallorquin ein eher sensibler Hund.

Seine Aufzucht und Haltung erfordern viel Sachkunde und Einfühlungsvermögen.

Bei zu weicher Führung kann er dazu neigen, selber „das Zepter in die Hand zu nehmen“ – unter Umständen mit allen Mitteln.

Bei zu harter Führung wird aus dem schönen stolzen Hund ganz schnell „ein Häuflein Elend“.

Ein Ca de Bestiar braucht seinen „Leitmenschen“ ebenso, wie ausreichend Raum um seine Individualität zu entfalten.

Er hat einen Dickkopf, dem mit Strenge nicht entgegenzukommen ist.

Er braucht Arbeit, aber ohne Drill und Monotonie.

 

Der Halter eines Perro de Pastor Mallorquin sollte seinen Hund bei Begegnungen mit fremden Menschen besonders gut im Auge behalten. Jahrhundertelang zum Territorial-Wächter gezüchtet, steckt es beinahe jedem Pastor Mallorquin im Blut, sein Revier zu verteidigen – und als solches kann er auch seine täglichen Spazierwege ansehen.

Bei Begegnungen mit Menschen auf ihm unbekanntem Terrain reagiert der Ca de Bestiar unterschiedlich: Manche vorsichtig und zurückhaltend, andere desinteressiert. Auch hier ist der Halter gefragt, seinem Hund gegebenenfalls die nötige Distanz zu Fremden zu gewähren.

 Beim Umgang mit Artgenossen präsentieren sich die meisten Ca de Bestiar-Hündinnen umgänglicher als ihre männlichen Verwandten.

Der Ca de Bestiar ist kein Raufer, jedoch ein Hund mit großem Selbstbewusstsein. Gleichgeschlechtrigen Artgenossen tritt er meist mit einer gewissen Arroganz entgegen. Wird sein vermeintlich höherer Rang vom Gegenüber nicht akzeptiert, ist er einem Kampf nicht abgeneigt.

 

Wie man sich jetzt schon vorstellen kann, ist ein Zusammenleben mit einem Ca de Bestiar im dicht besiedelten Deutschland nicht einfach.

Hinzu kommt seine hohe Reizempfindlichkeit. Selbst Hunde, die als Welpen positiv an das Stadt- oder Vorstadtleben gewöhnt wurden, behalten ihr Leben lang eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Sensibilität gegenüber Reizüberflutung.

Wenn Sie einen geduldigen, unbefangenen und anpassungsfähigen vierbeinigen Begleiter für alle Lebenslagen suchen, rate ich dringend von einem Ca de Bestiar ab.

 

Der Pastor Mallorquin braucht ein konstantes Umfeld mit viel Raum zur Befriedigung seiner physischen (großer Bewegungsdrang) und psychischen (Eigenständigkeit) Bedürfnisse.

Dennoch benötigt er auch den Anschluss an seine Menschenfamilie, denn sein Drang, mit und für seine Zweibeiner alles zu geben, darf auf keinen Fall vernachlässigt werden.


Ein Ca de Bestiar braucht eine souveräne und konsequente Führung (vor allem als Jungtier). Dabei werden dem Besitzer Ruhe und Geduld abverlangt!

Wenn man bereit ist, ihm dieses Leben zu bieten, wird der Ca de Bestiar es seinen Menschen mit bedingungsloser Treue danken.








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